Naturpark-Gemeinde Bad Großpertholz

Wo Naturpark und Kurtradition zusammenfinden

Die Marktgemeinde Bad Großpertholz ist seit Jahrhunderten eng mit ihrer Landschaft verbunden. Wälder, Moore, Wiesen, Teiche und Granitformationen bestimmen ihren Charakter ebenso wie Nutzung und Bewirtschaftung. Aus diesem Zusammenspiel ist eine vielfältige Kulturlandschaft entstanden, deren gewachsene Strukturen im Gemeindegebiet bis heute sichtbar sind. In ihr ist der Naturpark Nordwald zuhause.

Auch die Kurtradition der Gemeinde ist aus den natürlichen Besonderheiten der Region hervorgegangen. Das heimische Heilmoor bildet seit Jahrzehnten eine wichtige Grundlage des Kurwesens und verbindet den Naturraum mit Gesundheit, Wohlbefinden und Erholung. So entwickelte sich neben dem Naturpark ein weiterer wesentlicher Teil der Gemeindeidentität. Beide Aspekte stehen für unterschiedliche Schwerpunkte, haben jedoch eine gemeinsame landschaftliche Grundlage und kennzeichnen Bad Großpertholz als heutige Kur- und Naturparkgemeinde.

Kirche und Dreifaltigkeitssäule in Bad Großpertholz im Winter
©Rainhard Nieder
Typischer Föhrenwald im Naturpark Nordwald bei Scheiben
©Verein Naturpark Nordwald

Von Wald, Glas und Holz geprägt

Die Geschichte der Marktgemeinde Bad Großpertholz ist eng mit dem Wald verbunden. Bereits 1351 ist das „Gut Pertholz“ urkundlich belegt, im 17. Jahrhundert wurde Großpertholz zum Markt erhoben. Die Holznutzung bildete über lange Zeit eine zentrale wirtschaftliche Grundlage und lieferte zugleich wichtige Rohstoffe für Handwerk, Hausbau und frühe gewerbliche Entwicklung. Viele Strukturen, die den Raum heute kennzeichnen, gehen dabei auf das enge Zusammenspiel von Naturraum und menschlicher Arbeit zurück.

  

Eine besondere historische Bedeutung hatte in diesem Kontext die Glaserzeugung, die vom 15. bis ins 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Region gehörte. Vor allem im Raum Reichenau am Freiwald bestanden Glashütten, deren Betrieb große Mengen der Ressource Holz erforderte und denen der damalige Waldreichtum der Region zugute kam. Rodungen, Holzkohlegewinnung und die intensive Nutzung der damals ausgedehnten Wälder haben das Landschaftsbild nachhaltig geprägt und zur Entstehung von Offenlandflächen und Siedlungsstrukturen beigetragen. Die Glashüttengeschichte spiegelt sich daher bis heute in der charakteristischen Kulturlandschaft wider und ist zugleich in historischen Zeugnissen nachvollziehbar.

  

Bei Karlstift ist diese Nutzungsgeschichte dagegen noch unmittelbar präsent. In Karlstift, das sich nach dem Ende der Glashütte als Holzhackersiedlung weiterentwickelte, gewann die Holztrift ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Ein System aus Teichen, Bächen und Triftkanälen ermöglichte den Weitertransport des geschlagenen Holzes. Auch der Stierhüblteich war Teil dieses Schwemmsystems. Heute erinnern der Teich, das Holzhacker- und Holztriftmuseum sowie der rekonstruierte Triftkanal an die Zeit der Holzschwemme und machen so die enge Verbindung von Wald, Wasser, Arbeit und Landschaft bis heute erlebbar.

Kulturlandschaft bei Scheiben im Naturpark Nordwald
©Axel Schmidt

Eine historisch gewachsene Kulturlandschaft

Bad Großpertholz ist heute durch ein abwechslungsreiches Mosaik aus Wäldern, Wiesen, Offenland, Teichen, Mooren und Siedlungen gekennzeichnet. Zwischen den ausgedehnten Waldflächen liegen bewirtschaftete Wiesen und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ortschaften, Granitformationen und Feuchtbereiche gliedern diesen Landschaftsraum. Gerade dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Landschaftselemente bestimmt das Erscheinungsbild der Gemeinde.

  

Geprägt wird diese Kulturlandschaft dabei nicht nur durch ihre jahrhundertelange Nutzung, sondern auch durch die besondere Lage von Bad Großpertholz im Lainsitztal sowie am ehemaligen Eisernen Vorhang an der Grenze zu Südböhmen. Der Talraum der Lainsitz bildete seit jeher einen wichtigen Siedlungs- und Verbindungsraum, während sich entlang der früheren Grenze über Jahrzehnte naturnahe Rückzugs- und Vernetzungsräume erhalten konnten. Diese besondere Grenzlage ist heute Teil des Grünen Bandes Europa, das Natur- und Kulturlandschaften entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs miteinander verbindet.

  

Viele der heute vorherrschenden Kulturlandschaftsstrukturen – insbesondere Wiesen und Offenlandflächen sowie deren Übergänge zu Wald- und Siedlungsbereichen – wurden über lange Zeit durch Nutzung, Bewirtschaftung und Pflege mitgeformt. Besonders erstere sind auf eine regelmäßige, angepasste Nutzung angewiesen. Auch Wälder, Teiche und Moore sind Teil dieser über Generationen entwickelten Landschaft. Der Naturpark Nordwald bewahrt charakteristische Ausschnitte davon und macht ihre Vielfalt sichtbar.

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Sonnenbeschienener Föhrenwald mit moosbewachsenen Granitfelsen und Waldboden im Naturpark Nordwald
©Verein Naturpark Nordwald

Ein repräsentativer Landschaftsausschnitt der Gemeinde

Der Naturpark Nordwald liegt vollständig im Gemeindegebiet von Bad Großpertholz und umfasst zwei räumlich voneinander getrennte Naturparkteile. Der größere Bereich erstreckt sich rund um die Ortschaft Scheiben und über Teile der Katastralgemeinde Reichenau, der kleinere liegt im Raum Karlstift. Die Marktgemeinde selbst umfasst insgesamt rund 8.240 Hektar beziehungsweise 82,4 km². Mit seinen rund 530 Hektar nimmt der Naturpark damit etwa 6,4 Prozent der Gemeindefläche ein und bildet flächenmäßig nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Gemeindegebietes ab.

Landschaftlich bildet der Naturpark jedoch einen besonders charakteristischen Ausschnitt der Kulturlandschaft von Bad Großpertholz, der sich durch seine besondere landschaftliche Eigenart und seine Bedeutung für die Erholung auszeichnet. Diese Qualität findet auch rechtlich Ausdruck: Das Naturparkgebiet ist deckungsgleich mit dem ebenfalls zweigeteilten Landschaftsschutzgebiet Großpertholz. Damit steht dieselbe Fläche, die den Naturpark bildet, zugleich unter dem für diese charakteristische Kulturlandschaft ausgewiesenen Landschaftsschutz. Naturpark und Landschaftsschutzgebiet beziehen sich damit auf denselben charakteristischen Landschaftsraum.

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Gäste vor dem Gesundheitshotel Moorbad Bad Großpertholz
©Waldviertel Tourismus/Robert Herbst

Heilmoor und Kurtradition

Eine besondere Grundlage der Kurtradition von Bad Großpertholz ist das gemeindeeigene Heilmoor in der Habingerau bei Reichenau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das dortige Moor auf seine Eignung für Heilzwecke untersucht und anschließend für therapeutische Anwendungen im Moorbad genutzt. 1967 wurde das Bad Großpertholzer Heilmoor im Sinne des NÖ-Heilvorkommen- und Kurortegesetzes als erstes Heilpeloid in Niederösterreich anerkannt. Damit erhielt das örtliche Kurwesen einen gewichtigen Impuls für seine weitere Entwicklung.

  

Seit 1983 darf Bad Großpertholz überdies die durch das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung anerkannte Bezeichnung „Bad“ führen. An diese Tradition knüpft heute das Gesundheitshotel Moorbad Bad Großpertholz mit seinen 76 Zimmern an. Das Haus steht vollständig im Eigentum der Marktgemeinde und ist bis heute einer der prägenden lokalen Leitbetriebe.

Zwei Nordic-Walker im Kurpark Bad Großpertholz
©Waldviertel Tourismus/Robert Herbst

Impulsgeber für den örtlichen Fremdenverkehr

Bad Großpertholz verfügt neben den Kureinrichtungen über ein breites Spektrum an Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten. So machen etwa die Waldviertler Schmalspurbahn, die traditionsreiche Waldviertler Papiermühle, Mountainbike-, Rad- und Wanderstrecken sowie im Winter Langlaufmöglichkeiten die landschaftlichen, kulturellen und historischen Besonderheiten der Gemeinde für Gäste wie auch für die Bevölkerung erlebbar.

  

Der Naturpark Nordwald ist heute als wichtiger Bestandteil des Fremdenverkehrsangebots der Marktgemeinde Bad Großpertholz etabliert. Wälder, Moore, Teiche, Wanderwege und Aussichtspunkte eröffnen dabei vielfältige Möglichkeiten, die Landschaft zu Fuß zu entdecken und unterschiedliche Seiten des Nordwaldes kennenzulernen. Einrichtungen wie der Aussichtsturm am Schwarzenberg, der Stierhüblteich und eine Reihe an Themenwegen laden zu Ausflügen, Wanderungen und längeren Aufenthalten ein. Damit ergänzt der Naturpark das bestehende Angebot um einen eigenständigen naturbezogenen Schwerpunkt und trägt somit wesentlich zur Attraktivität von Bad Großpertholz als Fremdenverkehrsgemeinde im nördlichen Waldviertel bei.

Regional verbunden

Die Marktgemeinde Bad Großpertholz und der Naturpark Nordwald sind in regionale Partnerschaften eingebunden. Mit der Klima- und Energiemodellregion Lainsitztal (KEM), der Klimawandel-Anpassungsmodellregion Lainsitztal (KLAR!) und dem Kulturlandschaftsverein Lainsitztal (KLV) bestehen enge Verbindungen über die Gemeindegrenzen hinaus. Im Mittelpunkt stehen Themen wie der Erhalt der Kulturlandschaft, Klimaschutz, Klimawandelanpassung und die Weiterentwicklung einer lebenswerten Region. Der regelmäßige Austausch von Wissen und Erfahrungen fördert dabei gemeinsame Vorhaben und stärkt die Zusammenarbeit im Lainsitztal und im nördlichen Waldviertel.

Kurz erklärt: Bad Großpertholz als Kur- und Naturparkgemeinde

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Die Marktgemeinde Bad Großpertholz, der Naturpark Nordwald und regionale Partner tragen gemeinsam Verantwortung für den Erhalt und die behutsame Weiterentwicklung der Natur- und Kulturlandschaft. Dazu gehören die Pflege von Wiesen und Offenlandflächen, der Schutz von Mooren und Feuchtbereichen sowie ein sorgsamer Umgang mit Wäldern, Wasser und weiteren natürlichen Ressourcen. Gerade angesichts des Klimawandels gewinnen diese Aufgaben zusätzlich an Bedeutung. Bildung und Naturvermittlung helfen dabei, ökologische Zusammenhänge verständlich zu machen und das Bewusstsein für den Wert der Landschaft zu stärken. So verbindet sich praktische Arbeit vor Ort mit dem gemeinsamen Ziel, die besonderen Qualitäten des Nordwaldes langfristig zu sichern und dauerhaft erlebbar zu erhalten.

Granitbildstock in winterlicher Landschaft im Naturpark Nordwald
©Verein Naturpark Nordwald

Was den Nordwald so besonders macht, entsteht aus dem Zusammenspiel von Landschaft, Nutzung und Verantwortung. Dieses gewachsene Erbe zu bewahren und zugleich lebendig zu halten, ist eine Aufgabe, die nur gemeinschaftlich zu bewältigen ist.

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