• Blüten einer Quitte an einem Zweig
    ©RGV/Anna Schocher

NÖ Heckentag
im Naturpark Nordwald

Regionale Gehölze für mehr Vielfalt, klimafitte Gärten und eine lebendige Kulturlandschaft

Artenreiche Wiesen, Feldraine, Böschungen und die Übergänge zwischen offenen und bewaldeten Bereichen prägen vielerorts die Landschaft rund um Bad Großpertholz. Säume, Stufenraine, Bühel, Hecken und andere Gehölzstrukturen bilden einen wichtigen Teil dieser kleinstrukturierten Kulturlandschaft. Gerade solche Landschaftselemente gliedern das Offenland, schaffen Übergänge und können Lebensräume miteinander verbinden.

Der in Niederösterreich gegründete Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV) setzt sich für den Erhalt und die Verwendung heimischer Gehölze aus nachvollziehbaren Herkünften ein und organisiert alljährlich den NÖ Heckentag. Pflanzen derselben Art können sich über Generationen an unterschiedliche Böden, Höhenlagen und klimatische Bedingungen angepasst haben. Die Verwendung regionaler Herkünfte trägt dazu bei, solche Anpassungen und einen wichtigen Teil der genetischen Vielfalt zu bewahren. „Regional“ bedeutet daher mehr als lediglich „heimisch“.

Regionale Herkunft – Böhmische Masse

Der Naturpark Nordwald gehört zur Böhmischen Masse – einem der vier für Niederösterreich abgegrenzten Vorkommensgebiete gebietseigener Gehölze. Granit und Gneis, das kühlere Klima und die charakteristische Landschaft des nördlichen Waldviertels prägen diesen Raum. Damit erhält die Herkunft der Gehölze einen unmittelbaren Bezug zur Landschaft vor Ort – zu ihren Böden, Höhenlagen und klimatischen Bedingungen.

Beim NÖ Heckentag können Privatpersonen, Gemeinden und andere Interessierte regionale Gehölze für Gärten, öffentliche Grünräume und andere geeignete Standorte beziehen. Zum Heckentag gehören daher auch Informationen zu Herkunft, Auswahl, Pflanzung und Pflege. Deshalb beteiligt sich der Naturpark Nordwald als Abholstandort am NÖ Heckentag: Regionale Gehölzvielfalt, charakteristische Landschaftsstrukturen und Naturvermittlung passen unmittelbar zu den Zielen und Aufgaben des Naturparks.

Rosa Fruchtkapseln des Gewöhnlichen Pfaffenhütchens mit orangefarbenen Samen
©RGV/Lea Andres

Regionale Herkunft, genetische Vielfalt und eine standortgerechte Auswahl unterstützen eine gute Pflanzenentwicklung und eine hohe Anpassungsfähigkeit – auch unter sich verändernden klimatischen Bedingungen.

Was Hecken und Gehölze leisten

Hecken und andere Gehölzstrukturen vereinen auf engem Raum Blüten und Früchte, dichtes Geäst, geschützte Bereiche und unterschiedliche Pflanzenarten. Damit bieten sie zahlreichen Tieren Nahrung, Deckung und Rückzugsräume sowie geeignete Plätze für Brut und Fortpflanzung. Vögel finden zwischen Zweigen und Sträuchern Schutz und Nahrung, während zahlreiche Insekten Blüten und andere Pflanzenteile nutzen. Gerade dieser abwechslungsreiche Aufbau macht naturnahe Hecken zu wertvollen Lebensräumen – im Garten ebenso wie in der freien Landschaft.

Für Wildbienen, Schmetterlinge und andere blütenbesuchende Insekten ist dabei nicht nur entscheidend, dass etwas blüht, sondern auch wann. Unterschiedliche Gehölzarten können sich mit ihren Blühzeiten im Jahresverlauf ergänzen und dadurch über einen längeren Zeitraum Pollen und Nektar bereitstellen. Später kommen Früchte und Samen hinzu, die wiederum für Vögel und andere Tiere wichtige Nahrung bieten. So verändert sich das Angebot einer vielfältigen Hecke mit den Jahreszeiten und kann im Jahresverlauf unterschiedlichen Arten zugutekommen.

Honigbiene im Anflug auf ein blühendes Kätzchen der Sal-Weide
©K. Wanninger

Bienen- und Nektar-Hecke – Blühvielfalt gezielt nutzen

Die Bienen-Hecke und die Nektar-Hecke des NÖ Heckentages greifen dieses Zusammenspiel gezielt auf. In der Bienen-Hecke ergänzen sich beispielsweise Sal-Weide (Salix caprea), Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) und Wein-Rose (Rosa rubiginosa) mit ihren unterschiedlichen Blühzeiten. Zur Nektar-Hecke gehören beispielsweise Gewöhnlicher Spindelstrauch (Pfaffenhütchen) (Euonymus europaeus), Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) und Pimpernuss (Staphylea pinnata). So kann über viele Wochen hinweg ein vielfältiges Angebot an Pollen und Nektar für Wildbienen, Hummeln und andere Blütenbesucher entstehen. Beide Heckenpakete stehen zugleich in Verbindung mit der niederösterreichischen Initiative „Wir für Bienen“, mit der die Regionale Gehölzvermehrung beim Schutz und bei der Förderung von Bestäubern zusammenarbeitet.

Auch das unmittelbare Umfeld trägt dazu bei, wie wertvoll eine Hecke als Lebensraum ist. Artenreiche Säume, angrenzende Wiesen und Raine sowie weitere naturnahe Strukturen ergänzen das Angebot an Nahrung, Schutz und Rückzugsräumen. Gerade an solchen Übergängen treffen unterschiedliche Lebensräume aufeinander. In einer vielfältig gegliederten Kulturlandschaft – wie in der Naturparkgemeinde Bad Großpertholz – fügt sich eine Hecke in ein Gefüge aus Offenland, Rainen und Gehölzstrukturen ein und kann Teil eines vernetzten Lebensraumgefüges werden.

Rosenkäfer auf dem weißen Blütenstand eines Wolligen Schneeballs
©RGV/Anna Schocher

Klimafit denken – Klima-Hecke richtig verstehen

Regionale Herkunft, genetische Vielfalt und eine standortgerechte Auswahl können gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Gehölze schaffen. Klimafit bedeutet dennoch nicht, dass eine Pflanze automatisch unempfindlich gegenüber Hitze, Trockenheit oder anderen Folgen des Klimawandels ist. Boden, Höhenlage, Lage im Gelände und weitere Standortbedingungen bleiben entscheidend. Unter sich verändernden klimatischen Bedingungen gewinnt die sorgfältige Auswahl geeigneter Gehölze daher zusätzlich an Bedeutung.

  

Die Klima-Hecke des NÖ Heckentages ist nicht als Zusammenstellung besonders hitze- oder trockenheitsverträglicher Gehölze zu verstehen. Ihre Pflanzen machen vielmehr den Verlauf des Jahres unmittelbar beobachtbar. Dazu gehören beispielsweise Wolliger Schneeball (Viburnum lantana), Faulbaum (Frangula alnus) und Hunds-Rose (Rosa canina). An ihnen und den weiteren Gehölzen lassen sich wiederkehrende Entwicklungsphasen wie Austrieb, Blüte, Fruchtreife und Laubfärbung verfolgen.

Phänologie – den Jahreslauf der Pflanzen beobachten

Die Beobachtung solcher wiederkehrenden Vorgänge im Jahreslauf wird als Phänologie bezeichnet. Dabei wird das Jahr nicht nur in Frühling, Sommer, Herbst und Winter betrachtet, sondern in feinere Abschnitte, die sich an der Entwicklung bestimmter Pflanzen erkennen lassen. Die Klima-Hecke orientiert sich an diesen zehn phänologischen Jahreszeiten und macht den eigenen Garten damit zu einem kleinen Naturkalender. Werden Austrieb, Blüte, Fruchtreife oder Laubverfärbung über viele Jahre hinweg festgehalten, lassen sich auch Veränderungen im zeitlichen Ablauf des Pflanzenjahres erkennen.

Für den Naturpark Nordwald verbindet sich damit Naturbeobachtung unmittelbar mit Naturvermittlung und Klimawandelanpassung. Ein wichtiger regionaler Partner ist dabei die Klimawandel-Anpassungsmodellregion Lainsitztal (KLAR!), der auch die Naturparkgemeinde Bad Großpertholz angehört. Sie beschäftigt sich mit den Folgen des Klimawandels und mit regionalen Möglichkeiten der Anpassung. Ein großes und oft abstraktes Thema wird so an vertrauten Pflanzen greifbar – etwa daran, wann erste Knospen aufbrechen, eine Rose blüht, Früchte reifen oder sich im Herbst die Blätter verfärben.

Gelbe Blütenstände der Gewöhnlichen Berberitze an einem Zweig
©RGV/Lea Andres

Eine wertvolle Hecke endet nicht am letzten Strauch. Auch ihr Saum, ihre Struktur und ihre Verbindung zur Umgebung gehören zum Lebensraum.

Der Heckentag im Naturpark Nordwald

Der Naturpark Nordwald ist seit 2022 offizieller Abholstandort des NÖ Heckentages. Die vorbestellten Gehölze können direkt beim Informationsblockhaus im Naturparkbereich Scheiben abgeholt werden. Zugleich bietet der Heckentag Gelegenheit, mehr über Herkunft, Auswahl und Verwendung heimischer Gehölze zu erfahren. Im Naturpark Nordwald verbindet der NÖ Heckentag damit drei der vier Naturpark-Säulen: Schutz, Bildung und Regionalentwicklung. Diese sind auch im Naturpark-Konzept verankert. In der praktischen Umsetzung stehen dabei der Schutz vielfältiger Lebensräume, Naturvermittlung und regionale Zusammenarbeit im Mittelpunkt.

Biene zwischen mehreren Marillenblüten an einem Ast
©Niederösterreich Werbung/Stefanie Winter

Pflanzen, Beratung und Wissen rund um heimische Gehölze

Das Angebot des Heckentages verbindet Pflanzen, Information, Beratung und begleitende Materialien. Dazu gehören unter anderem:

  • regionale Gehölze mit nachvollziehbarer Herkunft
  • einzeln erhältliche Bäume und Sträucher sowie Raritäten wie der Speierling (Sorbus domestica) und ausgewählte Obstgehölze, darunter Äpfel (Malus domestica), Birnen (Pyrus communis) und Marillen (Prunus armeniaca)
  • fertig zusammengestellte Heckenpakete für unterschiedliche Schwerpunkte – etwa Bestäuberförderung, Naturbeobachtung, Sichtschutz oder die Nutzung von Früchten, beispielsweise in der Nasch-Hecke, zu der auch die Wilde Quitte (Cydonia oblonga) gehört
  • Informationen und Beratung zu Auswahl, Standort, Pflanzung und Pflege
  • Begleitmaterialien wie das aktuelle Heckenblatt, Art- und Heckeninformationen, Pflanz- und Pflegehinweise sowie Monografien und weitere Fachinformationen

Begegnung und Austausch beim Heckentag

Am Heckentag bleibt neben der Ausgabe der Gehölze Raum für Begegnung und Gespräche vor Ort. Ein alljährliches kulinarisches Rahmenprogramm begleitet die Veranstaltung und ist inzwischen zu einem festen Bestandteil des Heckentages im Naturpark Nordwald geworden.

Termin, Abholzeiten und Rahmenprogramm im Naturpark Nordwald werden auf der jeweiligen Veranstaltungsseite gebündelt. Sortiment, Bestellfristen und Preise sowie die Bestellmöglichkeit sind im Heckenshop der Regionalen Gehölzvermehrung (RGV) zusammengefasst.

Aktuelles, Bestellung und Hintergründe zum NÖ Heckentag

Rund um den NÖ Heckentag im Naturpark Nordwald ergänzen aktuelle Veranstaltungshinweise, der Heckenshop und weiterführende Informationen zur Regionalen Gehölzvermehrung die Projektseite.

Fragen und Antworten zum NÖ Heckentag